Fechten in Dresden

19. Jahrhundert bis I. Weltkrieg

In der Zeit nach den Befreiungskriegen von 1813 und den Ende der napoleonischen Herrschaft erstarkte das Bürgertum in Deutschland. Die Ideen, Gedanken und Vorschläge Friedrich Ludwig Jahns und Karl Friedrich Friesens zu einer gesunden Lebensweise durch regelmäßiges Turnen und Sporttreiben fassten Fuß in den Köpfen der aufgeschlossenen Bürger. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts organisierten sich immer mehr Turn- und Sportvereine in den deutschen Städten und Gemeinden. Sie wurden bald zu einem geschätzten Hort der turnerischen Betätigung und der fröhlichen Gemeinsamkeit. So wurde in Dresden u.a. der la"Allgemeine Turnverein" (ATV) und 1861 der "Turnverein für Neu- und Antonstadt" (TV N. u. A.) gegründet. Seit dem Dreißigjährigen Krieg war das Fechten in Deutschland fast ausschließlich das Vorrecht des Adels und der Studenten. Zivilpersonen durften Blankwaffen nicht führen. Schließlich wurde 1848 auch an den deutschen Universitäten der Gebrauch des Degens wegen vieler tödlicher Raufhändel verboten. Nach der bürgerlichen Revolution von 1848 wurde in den Turnvereinen immer mehr der Wunsch geäußert, darin auch das Fechten zu pflegen.

 

Am 6. Februar 1861 gründete der frühere Fechtmeister der sächsischen Armee Ernst Wilhelm Staberoh im TV N. u. A. eine erste Fechtriege in Dresden mit 15 Mann Beteiligung. Es wurde zunächst mit Florett und ab 1864 auch mit Säbel gefochten. Das Fechten wurde neben dem Turnen absolviert und die Fechtriege hatte keine eigene Organisationsform. Etwa um 1855 ließ der Turnrat des TV N. u. A. hintereinander mehrere Fechtlehrgänge mit dem ausgesprochenen Ziel abhalten, einen Stamm gut ausgebildeter Fechter zu gewinnen und innerhalb des Vereines dem Fechten unter engem Anschluss an das Turnen eine Pflegestätte zu bereiten. Nach Bildung einer neuen Fechtriege im Jahre 1886 erfolgte die Gründung einer Eigenständigen Fechterschaft im Turnverein für Neu- und Antonstadt. Die fechterische Ausbildung in Dresden lag über drei Generationen in den Händen der Familie Staberoh. Nach Armeefechtmeister Ernst Wilhelm übernahm dessen Sohn Georg Staberoh die Ausbildung. Dessen Sohn wiederum, der Diplomfechtmeister Herbert Staberoh, wurde 1918 Fechtlehrer im TV Neu- u. Antonstadt. Er führte damals die ungarische Fechtweise in das Ausbildungsprogramm der Fechter ein.

 

In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg entwickelte sich der Fechtsport in Dresden derart, dass eine ganze Reihe von Turnvereinen Fechtabteilungen einrichteten oder sich eigenständige Fechtkörperschaften bildeten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, seien hier genannt: Der Allgemeine Turnverein (ATV) Dresden, die Turngemeinde Dresden, der Dresdner Turnverein 1887, der Dresdner Turnlehrverein, der Dresdner Fechtverein, der Dresdner Fechtclub, die Deutsche Fechterschaft Dresden, der Dresdner Reserve-Offizier Fechtclub. 

Diese Vielzahl von Fechterschaften in Dresden führte im Laufe der Zeit zur Einführung gemeinsamer zwangloser Fechtabenden und vielen Wettkampftreffen. Auch der 1899 gegründete "Verein für Vaterländische Festspiele", an dem sich die Fechter beteiligten, trug zur Verbreitung des Fechtsportes in Dresden bei. Diese positive Entwicklung vollzog sich in Sachsen vornehmlich in den Städten und führte schließlich zur Gründung des sächsischen Turnerfechtverbandes.  1911 wurde der mehr zum gehobenen Bürgertum orientierte Deutsche Fechter-Bund (DFB) und 1912 der Fechtverband der Deutschen Turnerschaft gegründet. Es  musste dann eine Zeit bis 1926 vergehen, dass beide Verbände erstmals gemeinsame Deutsche Meisterschaften durchführten. Die Pflege fechterischen Tradition setzte sich auch in den 20er un 30er Jahren bis in die Tage des 2. Weltkrieges fort. Im September 1942 fanden in den Sälen des Dresdner Gewerbehauses auf der Ostra-Allee die Deutsche Meisterschaften im Einzelfechten statt.

Aus Sachsen ging als einziger Dresdner Fechter der Gefreite Günter Keßler von der Deutschen Fechterschaft Dresden in den Waffen Florett und Degen an den Start. 

Nachkriegszeit bis zum Ende der DDR

Nach dem 2. Weltkrieg wird der Fechtsport im Osten Deutschlandes durch die sowjetische Militäradministration zunächst nicht zugelassen. Erst im Mai 1951 kam es in Berlin zur Gründung der Sektion Fechten in der DDR, nachdem der Fechtsport wieder in das Programm des Deutschen Sportausschusses der DDR aufgenommen worden. Im gleichen Jahr folgte die Gründung der Fechtsektion in Land Sachsen und im Kreis Dresden. Maßgeblich beteiligt daran waren die Dresdner Sportfreunde Georg Haaser, Curt Günther und Günter Keßler.

 

Am 6. Juli 1951 gründet sich die erste Dresdner Fechtsektion bei der Betriebsgemeinschaft Motor Dresden- Ost. Nach eifriger Werbung in der Presse meldete ich 321 Mitglieder an, meist schon früher tätig gewesene Fechter. Zur Aus- und Weiterbildung wurde der einzige noch in Dresden lebende Diplom- Fechtmeister Melichar angestellt. 1952 gründete dann die Brüder Gaumnitz mit den Sportfreund Gierth, Meier und Winkler die Sektion Fechten bei der BSG Lokomotive Dresden und Sportfreund Förster eröffnet eine Sektion Fechten bei der TH (später TU) Dresden. Es folgte im Laufe der Jahre noch Fechtsektionen bei der BSG Empor Dresden- Löbtau und bei der BSG Kunst Dresden. Es ging aufwärts mit dem Fechten in Dresden und der bald einsetzende Wettkampfbetrieb